Seekrankheit, und jetzt?

Wenn ein Crewmitglied seekrank wird, sollte das nicht unterschätzt werden und kann im schlimmsten Fall zu einem medizinischen Notfall führen.

Hier sind einige Gründe, warum die Seekrankheit ernst genommen werden sollte:

1. Dehydration und Unterversorgung:
Die häufigsten Symptome der Seekrankheit sind Übelkeit und Erbrechen. Dies kann zu Dehydration (Austrocknung) führen, insbesondere wenn die erkrankte Person nicht in der Lage ist, Flüssigkeiten bei sich zu behalten. Dehydration kann zu einem Kreislaufkollaps führen und ist daher eine ernsthafte Gesundheitsgefahr.

2. Ausfall von Crewmitgliedern:
Seekranke Crewmitglieder sind oft nicht in der Lage, ihre Aufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen bzw. für sich selbst zu sorgen, was die Sicherheit der gesamten Crew an Bord gefährden kann.
Hier möchte ich Ihnen einen kleinen Ratgeber zum Thema Seekrankheit an die Hand geben, mit Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.

 

Ursachen der Seekrankheit

Seekrankheit wird oft durch einen Konflikt zwischen den Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und den visuellen Eindrücken der Augen verursacht. Dieser Konflikt führt zu Verwirrung im Gehirn, da es unterschiedliche Informationen über die Bewegung des Körpers erhält. Besonders ausgeprägt ist das unter Deck, wenn keine Sicht nach außen möglich ist. Der Körper spürt das Stampfen, Rollen und die Beschleunigungen vom Schiff, aber das Auge vermeldet: „Ich stehe still.“

Mit dieser Situation ist das Gehirn überfordert und es kann die gefürchtete Seekrankheit entstehen.

Symptome

Erfahrene Salzbuckel berichten: Die Seekrankheit verläuft in zwei Phasen.

Phase 1: Zuerst hat man Angst zu sterben.

Phase 2: In Phase zwei hat man Angst, nicht zu sterben.

Diese Aussage zeigt, wie schlimm eine ausgeprägte Seekrankheit ist. Auch sollen schon Suizidgedanken von Betroffenen geäußert worden sein.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Anfänglich können allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, erhöhte Speichelsekretion und Kopfschmerzen auftreten. Gefolgt von Schwindel, Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen.

Die Dauer der Seekrankheit ist auch sehr unterschiedlich. Manche Crewmitglieder sind schon nach 1 bis 3 Tagen wieder zurück an Deck, während andere nach einer Woche dem Tod näher sind als dem Leben.

Auch das genaue Gegenteil zur Seekrankheit ist möglich. Die Landkrankheit kann schon nach wenigen Tagen auf See auftreten und dauert nach dem Törn an Land ca. 2- 5 Tage. Symptome können Schwindel und leichte Übelkeit sein.

Prävention

Wenn Sie anfällig für die Seekrankheit sind, sollten Sie im Vorfeld schon auf histaminhaltige Nahrungsmittel verzichten. Das sind unter anderem Salami, Schinken und Hartkäse. Auch auf Obst und Gemüse wie Bananen, Birnen, Apfelsinen, Tomaten, Soja und Weizenprodukte sowie auf Hülsenfrüchte sollte verzichtet werden. Ebenso erhöht Rotwein den Histaminspiegel. Generell sollte auf Nikotin und Alkohol gänzlich verzichtet werden. Schlafmangel und Unterkühlung können die Seekrankheit begünstigen bzw. auslösen, genauso wie Angst und Stress. Auch Dieselgeruch oder Geruch von Erbrochenem kann bei manchen Menschen die Übelkeit auslösen oder verstärken.

Es wird immer wieder diskutiert, ob hochdosiertes Vitamin C einen positiven Einfluss auf die Entstehung der Seekrankheit hat. Das konnte wissenschaftlich bis zum heutigen Tag nicht geklärt werden. Deshalb lässt sich die Frage, ob man mit Vitamin C eine Seekrankheit zuverlässig verhindern kann, nach derzeitigem Stand nicht gänzlich beantworten.

Erwiesen ist allerdings, dass Vitamin C den Histaminspiegel senkt. Vitamin C kann entweder mit der Ernährung (Paprika, schwarze Johannesbeeren, Petersilie, Brokkoli usw.), mit Nahrungsergänzungsmitteln oder auch über Kaugummis zu sich genommen werden.

Vor dem ersten Ablegen können auch Medikamente eingesetzt werden. Zum Einsatz kommen hier verschiedene Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika (Vomex® oder Superpep ® Nebenwirkung: Teilweise starke Müdigkeit), Calciumkanalblocker (Stugeron®) und Parasympatholytika. Besonders wirksam gegen Reisekrankheit ist der Wirkstoff Scopolamin (Scopoderm TTS®). Dieses Medikament ist auch als transdermales Pflaster verfügbar. Pflaster eignen sich allerdings nicht für ein akutes Geschehen, sondern benötigen 4-5 Stunden, bis die Wirkung einsetzt.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Wirkung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen der verschiedenen Medikamente gegen Seekrankheit. Viele Medikamente sind zudem rezeptpflichtig und sind nicht frei erhältlich.

 

Behandlung der Seekrankheit

Sobald sich die ersten Anzeichen der Seekrankheit zeigen, sollte umgehend gegengesteuert werden. Bleiben Sie an Deck an der frischen Luft und schauen Sie in Fahrtrichtung auf den Horizont. Beschäftigen Sie sich. Ruder gehen ist die ideale Aufgabe für den Seekranken. Arbeiten wie Kochen oder unter Deck ein Buch lesen sollten vermieden werden. Auch sollte nicht lange Zeit auf das Handy oder Tablet geschaut werden. Setzen Sie frühzeitig Ihre Medikamente ein. Seekranke Crewmitglieder entweder in die dunkle Koje verbringen oder an Deck mit Rettungsweste und Lifeline gesichert schlafen lassen. Schlafen senkt wunderbar den Histaminspiegel.

Eine weitere Challenge für Seekranke kann der Gang zur Toilette unter Deck darstellen. Auf keinen Fall sollten Crewmitglieder die Badeplattform benutzen, um nicht nach unten zu müssen. Das Risiko, dabei über Bord zu gehen, ist einfach zu groß. Alternativ kann in den dringenden Fällen die Pütz benutzt werden. Trotz all dieser Widrigkeiten muss auf eine adäquate Flüssigkeitssubstitution geachtet werden, um eine Dehydratation zu verhindern.

Eine Linderung der Symptome kann auch eine Kursänderung auf einen tiefen Raumschotkurs bringen. Dadurch verringert sich nicht nur die Anzahl der Wellenberge/Zeiteinheit, sondern die Wellen werden auch länger. Was wiederum als viel angenehmer und entspannter empfunden wird. Überlegen Sie, ob es nicht sinnvoll ist, den Törnplan frühzeitig aufzugeben, um den nächsten Ankerplatz oder Hafen anzulaufen. Ihre Crew wird es ihnen danken.

Alternative Behandlungskonzepte:

Immer wieder berichten Segler von Erfolgen bei der Bekämpfung der Seekrankheit mittels Akupressur-Armband oder Akupunktur. Auch soll es Wassersportler geben, die mit einem Ohrstöpsel in nur einem Ohr den Kampf gewonnen haben.

 

Seekrankheit darf keinesfalls belächelt werden.

Sie ist nicht zu unterschätzen.

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